Ratgeber · 5 Min. Lesezeit

Sanitätsdienst im Winter: Kälte bei Events richtig planen

Unterkühlung, Glätte und Alkohol: Was Veranstalter:innen in Berlin bei Winter-Events zum Sanitätsdienst klären sollten, von Wartebereichen bis Wärmeraum.

Trage am Heck eines Krankentransportwagens bei Nacht

Sobald die Temperaturen sinken, verändert sich der Sanitätsdienst auf Veranstaltungen spürbar. Wer in Berlin oder Brandenburg im Winter ein Event plant, ob Weihnachtsmarkt, Open-Air-Silvester, Firmenfeier mit Außenbereich, Hallenturnier oder Eisbahn-Event, sollte Kälte als eigenen Risikofaktor einplanen. Der Sanitätsdienst im Winter hat andere Schwerpunkte als im Sommer: weniger Hitze und Dehydrierung, dafür Unterkühlung, Stürze auf glatten Wegen und Kreislaufprobleme beim ständigen Wechsel zwischen warm und kalt. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Notfälle bei Winter-Events typisch sind, was Sie bei Wartebereichen, Wegen und Wärmeräumen beachten sollten und wie Sie den Sanitätsdienst früh genug anfragen.

Warum Kälte bei Events unterschätzt wird

Im Sommer rechnen die meisten Veranstalter:innen automatisch mit Hitze und stellen Wasser und Schatten bereit. Im Winter fehlt dieser Reflex oft. Dabei sind die Bedingungen für Gäste und Personal anspruchsvoll: Menschen stehen lange still, etwa in der Warteschlange am Einlass, vor der Bühne oder am Glühweinstand. Sie tragen Kleidung, die für den Weg gedacht ist und nicht für mehrere Stunden im Freien. Dazu kommen Alkohol, der das Wärmegefühl trügt, und oft wenig Bewegung. Das gilt für Gäste ebenso wie für Crew, Security und Helfer:innen an exponierten Posten.

In Berlin gilt: Der Sanitätsdienst ist nicht Teil des öffentlichen Rettungsdienstes. Die Berliner Feuerwehr prüft, ob bei einer Veranstaltung ein Sanitätsdienst erforderlich ist, und verlangt bei Bedarf ein Sanitätsdienstkonzept. Wie das Verfahren aussieht, lesen Sie im Beitrag Sanitätsdienstkonzept in Berlin. Für Winter-Events lohnt es sich, die Kälte schon im Konzept zu benennen, statt sie erst am Veranstaltungstag zu entdecken.

Typische Notfälle bei Winter-Events

Die meisten Einsätze im Winter sind unspektakulär, verlangen aber Aufmerksamkeit und Erfahrung. Bei Veranstaltungen in der kalten Jahreszeit sehen wir vor allem:

  • Unterkühlung: Wenn die Körpertemperatur unter die normale Spanne sinkt, zeigen sich Zittern, blasse oder kalte Haut, Verwirrtheit und Schläfrigkeit. Besonders gefährdet sind Personen, die lange draußen stehen, wenig gegessen haben oder viel Alkohol getrunken haben.
  • Erfrierungen an Fingern, Zehen, Nase und Ohren: meist bei längeren Aufenthalten im Freien, etwa bei Warteschlangen oder Open-Air-Programmen.
  • Stürze auf Eis und Schnee: Prellungen, Verstauchungen, Brüche und Kopfverletzungen auf glatten Zugängen, Treppen und Parkplätzen.
  • Kreislaufprobleme: Schwindel, Übelkeit oder Kollaps beim Wechsel zwischen überheizten Innenräumen und kalter Außenluft.
  • Alkoholbedingte Zwischenfälle: Glühwein, Punsch und Spirituosen wirken in Kombination mit Kälte schneller und treffen Gäste oft unerwartet.
  • Verbrennungen und Verbrühungen: an heißen Getränken, Kochstellen, Heizpilzen und Feuerschalen.
  • Internistische Notfälle: Kälte ist eine zusätzliche Belastung für Herz und Kreislauf. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemnot oder Krampfanfälle treten unabhängig vom Anlass auf, werden bei Kälte aber nicht seltener.

Wartebereiche, Wege und Aufstellflächen

Ein großer Teil der Winterrisiken lässt sich schon durch die Planung der Fläche verringern. Prüfen Sie deshalb vorab:

  1. Wartebereiche: Wie lange müssen Gäste draußen anstehen? Je kürzer, desto besser. Überdachte oder geschützte Bereiche und ein zügiger Einlass sind die einfachste Vorsorge.
  2. Winterdienst auf Zugängen und Wegen: Streuen und Räumen von Zufahrten, Treppen und Rampen gehört zu den Pflichten rund um den Veranstaltungsort. Wer das wann übernimmt, sollte vorab geklärt sein.
  3. Beleuchtung: Im Winter wird es früh dunkel. Glatte Stellen sind im Dunkeln schwerer zu erkennen, deshalb gehören gut beleuchtete Wege dazu.
  4. Rettungswege und Zufahrt: Schnee und Eis dürfen Rettungswege nicht blockieren. Ein Rettungswagen muss auch bei Frost, Schneeresten oder aufgestellten Buden bis an den Einsatzort kommen.
  5. Wärmeraum für die Erstversorgung: Ein beheizter, ruhiger und gut erreichbarer Raum oder ein beheiztes Zelt ist für die Versorgung unterkühlter Personen ideal. Er sollte nicht direkt an Bühne oder Tanzfläche liegen.

Wie ein Sanitätsdienst bei Kälte arbeitet

Unsere Sanitäter:innen und Rettungssanitäter:innen sind bei Winter-Events sichtbar und ansprechbar, ohne die Stimmung zu stören. Je nach Größe und Risiko planen wir mit einer festen Station, mobilen Streifen oder beidem, bei Bedarf mit Notärzt:innen oder Ärzt:innen. Bei Kälte kommt es besonders auf einen kurzen Weg zur Wärme an: Betroffene werden so schnell wie möglich aus der Kälte geholt, vor weiterem Wärmeverlust geschützt und beobachtet. Weitere Maßnahmen richten sich nach dem Zustand der Person und liegen in der Verantwortung des eingesetzten Fachpersonals. Wenn nötig, übergeben wir an den öffentlichen Rettungsdienst. Alle Einsätze dokumentieren wir digital per iPad, rechtssicher und datenschutzkonform.

Auch an das eigene Personal ist zu denken: Wer stundenlang bei Frost draußen arbeitet, braucht passende Kleidung und Pausen an einem warmen Ort. Das gilt für die Crew der Veranstaltung genauso wie für unsere Partner im Einsatz.

Wie viele Kräfte nötig sind, hängt immer von der Veranstaltung ab: Gästezahl, Außenbereich, Alkoholausschank, Programm und Dauer. Mehr zu unserem Angebot finden Sie auf den Seiten öffentliche Veranstaltungen und Corporate Events. Für mehrtägige Märkte lesen Sie auch den Ratgeber Sanitätsdienst Weihnachtsmarkt, für den Jahreswechsel den Beitrag Sanitätsdienst Silvester. Wie sich die Kosten zusammensetzen, erklärt der Ratgeber Kostenplanung für den Sanitätsdienst.

Checkliste für Ihr Winter-Event

  • Gästezahl, Außenbereiche und Dauer festlegen
  • Bei größeren Veranstaltungen früh mit Bezirksamt und Berliner Feuerwehr klären, ob ein Sanitätsdienstkonzept nötig ist
  • Wartezeiten am Einlass so kurz wie möglich halten und geschützte Wartebereiche einplanen
  • Winterdienst für Zugänge, Treppen, Rampen und Parkflächen festlegen
  • Wege und Aufstellflächen ausleuchten
  • Rettungswege und Zufahrt freihalten und abstimmen
  • Beheizten Raum oder beheiztes Zelt für die Erstversorgung bereitstellen
  • Warme alkoholfreie Getränke und Essen anbieten
  • Pausenmöglichkeiten für Crew und Personal einplanen
  • Ansprechperson und Meldeweg zum Sanitätsdienst benennen
  • Sanitätsdienst früh anfragen, denn die Wintersaison ist stark gefragt

Häufige Fragen

Brauche ich im Winter einen Sanitätsdienst? Eine pauschale Pflicht gibt es nicht. Ob und in welchem Umfang er nötig ist, hängt von Gästezahl, Ort und Risiken ab. Bei größeren Veranstaltungen in Berlin prüft die Berliner Feuerwehr, ob ein Sanitätsdienst erforderlich ist. Auch darunter kann er bei Kälte, Alkohol und Außenbereichen sinnvoll sein.

Was ist bei Kälte anders als im Sommer? Statt Hitze und Dehydrierung stehen Unterkühlung, Stürze auf glatten Wegen und Kreislaufprobleme im Vordergrund. Ein beheizter Raum für die Erstversorgung und freie Zufahrten sind im Winter besonders wichtig.

Wie früh sollte ich den Sanitätsdienst anfragen? Möglichst früh. Weihnachtsmärkte, Feiern und der Jahreswechsel liegen eng beieinander, und die Planung von Personal und Konzept braucht etwas Vorlauf.

Sind Sie auch in Brandenburg im Einsatz? Ja, vorrangig in Berlin und Brandenburg.

Können Sie auch Notärzt:innen stellen? Ja, Notärzt:innen und Ärzt:innen können wir bei Bedarf stellen.

Fazit

Kälte verlangt von Veranstalter:innen keinen riesigen Aufwand, aber rechtzeitige Planung: kurze Wartezeiten, sichere Wege, ein Wärmeraum und ein Sanitätsdienst, der weiß, wo er gebraucht wird. Wenn Sie ein Event in der kalten Jahreszeit planen, senden Sie uns Ihre Anfrage mit Datum, Ort, Außenbereichen und erwarteter Gästezahl. Wir beraten Sie gern und erstellen Ihnen ein passendes Konzept.

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Geschrieben von

Anthony M. Jurisch

Gründer und Geschäftsführer von SKALA Paramedics. Plant Sanitätsdienste für Clubs, Festivals, Sport und Firmenevents in Berlin und Brandenburg.

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